Varroamilbe
Die '''Varroamilbe''' (''Varroa destructor'') ist eine ca. 1,6 Millimeter kleine Milbe, die sich bei der Europäische Honigbiene festbeißt. Die eigentliche Entwicklung und Vermehrung der Milbe findet in der verdeckelten Bienenbrut statt - vorzugsweise in der Drohnenbrut. Deshalb handelt es sich bei der '''Varroose''' im Wesentlichen um eine Brutkrankheit.
Da im Winterhalbjahr keine Brut gepflegt wird, müssen die Varroamilben in dieser brutlosen Zeit vollständig auf die erwachsenen Bienen wechseln, um zu überleben. Diesen Umstand machen sich auch die Imker durch eine Varroa-Nachbehandlung (November, Dezember) zunutze um die Milbenpopulation nochmals entsprechend reduzieren zu können. Nachbehandelt wird in diesen Fällen meist mit Oxalsäure.
Ihren Weg nach Europa fand die Milbe im Jahr 1977 durch befallene Asiatische Honigbiene die von Wissenschaftlern zu Forschungszwecken nach Deutschland geholt wurden.
Die asiatischen Bienen kommen mit der Milbe zurecht, sie verlassen ihren Stock, falls der Parasitenbefall übermäßig zunimmt. Ebenso haben sie die Fähigkeit, befallene Brutzellen zu erkennen und zu entfernen, um so der Vermehrung Einhalt zu gebieten. Zudem ist bei der Östliche Honigbiene nur bei der Drohnenbrut eine ausreichend lange Verdeckelungszeit gegeben, die auch die ausreichende Entwicklung der Milbe zulässt.
Ganz anders die europäischen Rassen der westliche Honigbiene Westlichen Honigbiene, die wesentlich "sesshafter" sind, Milben nicht erkennen können und längere Verdeckelungszeiten der Brut haben.
Übertragungsmöglichkeiten der Milben auf andere Bienen bzw. Bienenvölker ergeben sich durch vielseitige Möglichkeiten.
Einerseits liegt es in der Natur der Bienen, dass stärkere Völker Schwächere ausrauben. Ist ein Bienenvolk von der Varroamilbe befallen, ist es zu schwach um sich zu verteidigen. Beim Ausrauben der schwachen Völker wechseln auch Milben auf die räuberischen Bienen. Diese bringen die Milben sozusagen "im Gepäck" mit und infizieren damit ihre eigene Brut.
Andererseits wechseln auch die Drohnen die Völker. Hinzu kommt, dass die Imker in Europa aufgrund der industrialisierten Landwirtschaft mit ihren großflächigen Monokulturen zum "Wandern" mit den Völkern gezwungen sind. Dieser Umstand trägt zusätzlich zu einer weiträumigen Verbreitung des Parasiten bei, dessen gänzliche Ausrottung am Bienenstand fast unmöglich erscheint.
Somit hat man sich entschlossen, dem Parasiten mit verschiedenen Mitteln auf den Leib zu rücken um eine entsprechende Reduzierung des Milbenbefalls herbeizuführen und somit das Überleben des Bienenvolkes zu sichern. Hier ist aber Vorsicht geboten, da diverse Mittel Rückstände hinterlassen und teils auch der Biene schaden. Vielfach wurden auch zahlreiche Wundermittel angeboten die keinen bzw. nur einen geringen Effekt der Varroareduzierung mit sich brachten.
Zunächst wurde mit dem Mittel „Apistan“ eine einfache und ausreichende Behandlungsmethode gefunden. Erst als es bei der Varroamilbe zur Resistenzbildung kam, hatten viele Imker ein Völkersterben zu beklagen. Dies führte letztlich dazu, dass viele Imker die Bienenzucht aufgaben, da die Behandlung mit Ameisensäure anfangs noch vielen Bienenzüchtern Schwierigkeiten bereitete und derweilen es immer wieder vorkommen kann, dass Königinnen dem Behandlungsdruck nicht standhalten.
Durch den Einsatz von organischen Säuren wie Milch-, Oxalsäure - oder Ameisensäure kombiniert mit der Maßnahme die verdeckelte Drohnenbrut vor dem Schlüpfen auszuschneiden konnte aber eine erfolgreiche Varroabehandlung gefunden werden.
Angebotene Biomittel brachten meiner Erfahrung nach nicht den gewünschten Erfolg bzw. stellen keine ausschließliche Alternative zu herkömmlichen Produkten dar. Angewendet wurden viele Biomittel genau nach Beschreibung des Herstellers, wobei es nach dem Einsatz der Biomittel und der anschließenden Nachbehandlung mit herkömmlichen Mitteln (Oxalsäure) trotzdem noch zu erheblichen Varroa-Abfall kam.
Säuren oder deren Salze kommen natürlicherweise im Stoffwechsel von Pflanzen und Tieren, oder sogar direkt in manchen Honigsorten vor. Ebenso wird das ätherische Öl Thymol gegen die Milbe eingesetzt.
Da bei einer Varroabekämpfungsmaßnahme selten alle Milben getötet werden, findet zu einem gewissen Grad auch eine Auslese der Milben statt. Um zu vermeiden, auf diese Art und Weise einen resistenten Milbenstamm zu züchten, empfiehlt es sich, nicht immer dieselben Bekämpfungsmaßnahmen zu verwenden, bzw. die Bekämpfungsmittel zu variieren. Dieser Druck wirkt sich entsprechend auf die Varroamittelindustrie aus, da mit der Zeit immer neue Wirkstoffe gefordert werden, um sowohl eine Resistenzbildung zu vermeiden als auch - bei bereits eingetretener Resistenzbildung - einen hohen Wirkungsgrad beizubehalten.
Einen anderen Weg der Varroabekämpfung verfolgt der Ansatz, die angeborenen, varroabekämpfenden Eigenschaften und Verhaltensmuster der asiatischen Honigbiene bei den europäischen Bienen nachzuzüchten. Diese Verhaltensmuster bestehen im Wesentlichen in der Eigenschaft, die Parasiten zu identifizieren und zu töten, indem den Milben die Beine abgebissen werden. Die Idee der Züchtung ist nun, dieses Verhaltensmuster stärker auszuprägen um die Bienenvölker weniger oft von außen behandeln zu müssen. Dieser Prozess, dass die Biene selbst mit der Milbe ein Auslangen findet, ist natürlich ein sehr langfristiges Unterfangen dem sich viele Züchter bzw. Bieneninstitute widmen.
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